„Der ganze Raum ist wie ein Gedächtnis, in dem jedes Teil eine Erinnerung an frühere Zeiten ist.“ So beschreibt Harald Hoppe die Ostdeutsche Heimatstube im Museum der Schöfferstadt Gernsheim. Seit einem guten Jahr Leiter dieser Abteilung des Museums, sprach Hoppe beim Kreisverbandstag des Bundes der Vertriebenen (BdV) über seine Motivation zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit. Die kommt nicht von ungefähr: Die Eltern stammen aus Straßfurt im Kreis Flatow (Westpreußen). Erstes großes Projekt ist die Ausstellung „80 Jahre Flucht und Vertreibung 1945 – 2025“ im Museum. Noch bis 10. Mai sind die 16 Tafeln voller Informationen und Bilder zu sehen.
In seiner Begrüßung hob Helmut Brandl, Mitglied der Leitungsgruppe, die Kooperation des Kreisverbandes Groß-Gerau mit dem Landesverband Hessen hervor. Er wies auf das Digitalportal „Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext“ des BdV Hessen hin. Das Portal vereine moderne, digitale und pädagogische Ansätze, um dieses weitläufige Themengebiet für Schulen und Lernstätten fachgerecht aufzubereiten. Der Facebook-Account des BdV-Kreisverbandes werde von vielen Menschen genutzt. Interessant sei, dass 12,5 Prozent der Leser in der Tschechischen Republik zuhause seien.
Im Jahresbericht für 2025 kamen das Totengedenken für die Opfer des 4. März 1919 in Maria Einsiedel ebenso zur Sprache wie die Wallfahrt der Heimatvertriebenen. Sie wurde im vergangenen Jahr zum 90. Male begangen. Weil aufgrund der demographischen Entwicklung immer weniger Gläubige teilnehmen, wird sie ab diesem Jahr gemeinsam mit der Gernsheimer „Großen Wallfahrt“ gefeiert. Beim unter der Schirmherrschaft von Landrat Thomas Will (SPD) gestandenen „Tag der Heimat“ hielt Ines Claus, Vorsitzende des CDU-Fraktion im Landtag, die Festrede. Für dieses Jahr hat der hessische Innenminister Roman Poseck zugesagt. Der Tag unter dem Leitwort „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“ wird am 4. Oktober in Stockstadt begangen.
Schließlich verabschiedeten die Delegierten eine Petition an das hessische Innenministerium. Darin wird gefordert, die Kommunen zur Erhaltung und Pflege der vielen Denkmäler und Gedenksteine zur Vertreibung der Deutschen zu verpflichten. Aufgrund der demographischen Entwicklung seien die Vertriebenenverbände dazu bald nicht mehr in der Lage.
Autor: Helmut Brandl


