Verschiedene Zeitungen und Magazine

TAG DER SELBSTBESTIMMUNG

Ein Gedenktag im Wandel der Zeit „Erinnern und verstehen“

Zur Erinnerung an den 4. März 1919 in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien, die Volksabstimmung vom 11. Juli 1920 in Ostpreußen sowie die Volksabstimmung vom 20. März 1921 in Oberschlesien luden die Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kreisgruppe Groß-Gerau, und der Bund der Vertriebenen, Kreisverband Groß-Gerau, zu dieser gemeinsamen Gedenkveranstaltung beim Heimatvertriebenenkreuz am Wallfahrtsort Maria Einsiedel bei Gernsheim ein.

Am 4. März 1919 kam es im Sudetenland zu blutigen Zwischenfällen, die oft als „Tag der Selbstbestimmung“ oder der „Märzgefallenen“ bezeichnet werden. Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn im Herbst 1918 gehörten die deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens (das spätere „Sudetenland“) zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Viele Deutschböhmen wollten sich dabei der neuen Republik Deutschösterreich anschließen und beriefen sich auf das von US-Präsident Woodrow Wilson propagierte Selbstbestimmungsrecht der Völker nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Donau-Monarchie.

In mehreren Städten (unter anderem in Kaaden/Kadaň, Eger/Cheb, Karlsbad/Karlovy Vary, Mährisch-Ostrau/Ostrava) kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und tschechoslowakischem Militär. Das Militär eröffnete das Feuer auf Demonstranten. Der Tag der Selbstbestimmung wird weltweit in unterschiedlichen Kontexten begangen und steht allgemein für das Recht von Menschen und Völkern, frei über ihr eigenes Leben, ihre politische Zugehörigkeit und ihre gesellschaftliche Entwicklung zu entscheiden, so wie es den Sudetendeutschen nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1919 trotz Versprechen verwehrt wurde. 

Ein zentraler Bezugspunkt ist das in der Vereinte Nationen verankerte Selbstbestimmungsrecht der Völker. Es ist in der UN-Charta sowie im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgeschrieben. Der Tag der Selbstbestimmung erinnert auch daran, dass Freiheit und Mitbestimmung keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder verteidigt und weiterentwickelt werden müssen.

Helmut Brandl, Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft: „Die Erinnerung daran und der Imperativ des „Nie wieder“ sind unverzichtbarer Bestandteil unserer Gedenkkultur und nationalen Identität. Sie impliziert zugleich aber auch die Verantwortung und den Auftrag, sich stets für Frieden in Freiheit, für Demokratie und Menschenwürde einzusetzen und Krieg, Völkerhass und Vertreibungen zu bekämpfen“. 

Hans-Josef Becker vom BdV-Kreisverband Groß-Gerau sprach bei der Gedenkfeier Fürbitten und ein Gebet. Mitglieder der BdV-Musik- und Gesangsgruppe intonierten zum Abschluss das Lied aus der Deutschen Messe „Wohin soll ich mich wenden“, dessen Textbeginn auch auf der Tafel des Heimatvertriebenenkreuzes, einem alten Friedhofskreuz aus Nordböhmen, zu lesen ist. 

Autor: Helmut Brandl, Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft und BdV‑Kreisvorsitzender im Kreis Groß‑Gerau

Der BdV-Kreisverband Groß-Gerau bei der Gedenkfeier am Heimatvertriebenenkreuz in Maria Einsiedel bei Gernsheim. Fotonachweis: Harald von Haza-Radlitz

accessibility_new

Barrierefrei Hilfswerkzeuge

contrast Kontrast +
text_increase Schriftgröße
tab_move Tastatur-Navigation Hilfe
arrow_selector_tool Mauszeiger