Wie lassen sich historische Themen vermitteln, wenn Unterricht nicht nur im Klassenraum stattfindet? Im Rahmen des Schülerprojekts „Vertreibung im Unterricht“ des Bundes der Vertriebenen Landesverband Hessen (BdV-Landesverband Hessen) besuchte eine Schulklasse mit Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe der Obermayr Europa-Schule, Campus Erbenheim, am 25. September das Haus Schlesien in Königswinter. Die Schülerinnen und Schüler vertieften die zuvor im Unterricht behandelten Themen und setzten sich vor Ort mit Geschichte, Kultur und Lebensgeschichten aus Schlesien auseinander.
An der Exkursion nahmen rund 17 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte, darunter der stellvertretende Schulleiter, teil. Zu Beginn des Besuchs stand eine Unterrichtseinheit mit Birgit Grüner, der Beauftragten für Ostkunde im Unterricht des BdV-Landesverbandes Hessen, auf dem Programm. Dabei wurden bereits behandelte Inhalte aufgegriffen und vertieft.
Im Mittelpunkt standen historische Zusammenhänge sowie die Themen Flucht, Vertreibung und Heimatverlust. So wurden etwa verschiedene Persönlichkeiten aus ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten wie Gerhart Hauptmann, Otfried Preußler, Joseph von Eichendorff, Marie von Ebner-Eschenbach, Peter Hertling und Ferdinand Porsche vorgestellt und in ihre jeweiligen historischen Zusammenhänge eingeordnet. Auch aktuelle Biografien, etwa die der russlanddeutschen Sängerin Helene Fischer, wurden behandelt.
Geschichte anhand von Objekten entdecken
„Gerade bei einem Thema wie Flucht und Vertreibung ist es wichtig, Geschichte nicht nur anhand von Texten zu vermitteln. An einem außerschulischen Lernort können Schülerinnen und Schüler historische Zusammenhänge anhand von Objekten und persönlichen Geschichten unmittelbar nachvollziehen“, sagt Birgit Grüner, BdV-Beauftragte für Ostkunde im Unterricht.
Im Anschluss hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, das Museum zu erkunden. Sie konnten eigene Schwerpunkte setzen, Exponate näher betrachten und sich mit den Inhalten in ihrem eigenen Tempo auseinandersetzen.
Haus Schlesien als Ort für Kultur und Bildung
Danach nahm die Klasse an einer Führung durch das Museum teil. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schüler weitere Einblicke in die Geschichte Schlesiens und lernten die ausgestellten Exponate und historischen Zeugnisse aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Ein besonderer Bestandteil des Besuchs war zudem das Klavierspiel von Birgit Grüner auf dem Flügel von Gerhart Hauptmann. Der Schriftsteller und Dramatiker wurde 1862 in Bad Salzbrunn in Schlesien geboren.
Das Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott ist ein Deutsches Kultur- und Bildungszentrum. Zum Haus gehört das Dokumentations- und Informationszentrum mit Museum und Bibliothek. Das Museum präsentiert in wechselnden Ausstellungen Kunst, Kultur und Geschichte Schlesiens und bietet damit einen Ort, an dem historische Themen anhand von Objekten und Dokumenten vermittelt werden.
Nachbereitung der Exkursion
In einer weiteren Unterrichtstunde einige Tage nach der Exkursion wurde das Gesehene nachbesprochen. Dabei ging es vor allem um Otfried Preußler und Peter Hertling, die ihrerseits auch Zeitzeugen der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten waren und dies teilweise in Ihren Werken verarbeitet haben.
Unterrichtsprojekt in Zusammenarbeit mit der Schule
Das Projekt „Vertreibung im Unterricht“ wird vom BdV-Landesverband Hessen in Zusammenarbeit mit der Obermayr Europa-Schule durchgeführt. In insgesamt vier Doppelstunden setzen sich die Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren mit historischen und kulturellen Themen auseinander. Unter dem Titel „Ostkunde im Unterricht“ werden exemplarisch Persönlichkeiten aus verschiedenen Fachgebieten vorgestellt und in siedlungsgeschichtliche Entwicklungen sowie die Zusammenhänge von Flucht und Vertreibung eingeordnet. Ergänzend werden aktuelle Bezüge und ethische Fragestellungen aufgegriffen.
Birgit Grüner begleitet die Unterrichtseinheiten fachlich. Sie ist pensionierte Lehrerin und Mitglied des BdV- Landesvorstandes und hat zudem die Funktion der Beauftragten für Ostkunde im Unterricht inne. Unterstützt wurde sie dabei von Ann-Kathrin Hartenbach, Kunsthistorikerin und Inhaberin der Agentur Kunst & Kultur Hartenbach. Die Exkursion und das Projekt werden durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert.





