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REISEBERICHT ÜBER FAHRT NACH WESTPREUSSEN

Margrit Sandner hält Vortrag bei Ost- und Westpreußen

Eine Reise in die alte Heimat ist immer einen Bericht wert. Die Solmserin Margrit Sandner hat über eine Fahrt nach Westpreußen beim Treffen der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Wetzlar, berichtet. Die Referentin wurde 1943 in Sedlinen im Kreis Marienwerder in Westpreußen geboren. Im Januar 1945 musste die Mutter Erna Gertrude Heinemann mit ihrer eineinhalb jährigen Tochter Margrit fliehen.

80 Jahre nach der Flucht hat Margrit Sandner mit dem „Heimatkreis Marienwerder“ im vergangenen Jahr eine Busreise unternommen. 21 Teilnehmer reisten vom 23. Juni bis 2. Juli nach Polen. Treffpunkt war Frankfurt an der Oder. Von dort ging es mit einem polnischen Bus und Fahrer durch Westpreußen. Margrit war nicht das erste Mal dort, wo sie geboren wurde und ihre Familie einst zu Hause war. Auf der Fahrt ging es vorbei an der 2010 errichteten 36 Meter hohen Christus-König-Statue in Świebodzin (deutsch: Schwiebus), die bis 2022 die höchste Christusstatue der Welt war, sogar höher als die weltberühmte in Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro, führte die Referentin aus. Der katholische Gemeindepfarrer Sylwester Zawadzki hatte jahrelang Spenden gesammelt, um die Christus-Statue zu verwirklichen. An der Straße zur Statue wurde auch ein Kreuzweg aufgestellt.

Zweite Station der Reise war die Stadt Posen, heute Hauptstadt der Woiwodschaft Großpolen mit 540.000 Einwohnern am Fluss Warthe. Dort ging es mit einem Stadtführer zum Dom St. Peter und Paul, dem Bischofssitz. 1.000 Jahre soll an der gotischen Kathedrale gebaut worden sein. Es gibt eine romanische Krypta, in der Könige und Bischöfe beerdigt wurden. In den Jahren 1835 bis 1841 wurde unter preußischer Herrschaft die goldene Kapelle gebaut und einige Gräber von Herrschern dorthin umgebettet. 

Weiter ging die Besichtigungstour zum Rathaus mit Europas größtem Marktplatz. „Über der Turmuhr des Rathauses stehen zwei Ziegenböcke“, wusste die Solmserin zu berichten. Der Legende nach hatten sich die Hörner der beiden so verkeilt, dass sie ziemlich Lärm machten. So wurden die Bürger auf ein Feuer im Rathaus aufmerksam und konnten schnell eingreifen. Die Ziegenböcke hatten somit das Gebäude gerettet, hatte der Stadtführer die Besucher aus Deutschland aufgeklärt. Das Rathaus gilt als eines der wertvollsten Renaissance-Baudenkmäler. Der Stadtführer wies auch darauf hin, dass es Posener Bamberger gibt. Das sind die in der Umgebung von Posen lebende Nachkommen der Siedler aus dem Gebiet des fränkischen Bambergs. Sie waren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Rat der Stadt eingeladen worden, da die ländliche Bevölkerung durch eine Seuche stark dezimiert war.

Die dritte Station war die 200.000 Einwohner zählende Stadt Thorn an der Weichsel, die Geburtsstadt des Domherrn, Astrologen und Mediziners Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543), in einer Zeit als Thorn preußisch war. Die Altstadt gilt seit 1997 als Unesco-Weltkulturerbe. 1233 vom Deutschen Orden gegründet, gilt Thorn als eine der besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas. In der Kirche der Heiligen Jungfrau Maria hat Margrit Sandner den Taufstein von Kopernikus gesehen. Zudem ging es auch ins Kopernikusmuseum, dem einstigen Geburtshaus des berühmten Astrologen. Amüsiert zeigte sich die Reiseteilnehmerin von einem Restaurant für Zwei- und Vierbeiner, so der Hund ebenso willkommen ist wie seine Herrschaft. 

Eine weitere Station war die Stadt Kulm an der Weichsel, heute Chelmno genannt. Die Brauerei der Stadt gehörte früher zum dortigen Kloster. In den heiligen Mauern sind heute unheilbar Kranke untergebracht. „Von den mittelalterlichen sieben Stadttoren ist nur noch eines erhalten“, wusste die Referentin zu berichten, die ihre Reiseschilderungen mit vielen selbst geschossenen Bildern untermalte. Begeistert war sie vom großen Marktplatz um das quadratisch erbaute Rathaus, einem der bedeutendsten Gebäude im nördlichen Polen. 

Schwetz (Świecie) an der Mündung des Flusses Schwarzwasser in die Weichsel mit seiner Burg, Neuenburg (Nowe) und Marienwerder waren weitere Stationen der Reise. In Graudenz war die Referentin erfreut, weil dort eine Straße voller Schirme überspannt ist. Auf dem Markt ist eine Bank installiert mit einer Skulptur von Nikolaus Kopernikus. Neben dem Rathaus sahen die Reisenden auch die Burg Graudenz. Ein Abstecher führte die Reisegruppe nach Hansdorf, dem Geburtsort des Nobelpreisträgers Emil von Behring. In seinem einstigen Wohnhaus erinnert heute ein Museum an seine Leistungen für die Volksgesundheit. Auch Deutsch Eylau am Südufer des Geserichsees war Station. Zu dieser 32.000 Einwohner zählenden Stadt unterhält Herborn im Lahn-Dill-Kreis eine Städtepartnerschaft. Über den Aufenthalt in Elbing (Elblag) nahe dem Frischen Haff wusste die Referentin zu berichten, dass die 113.000 Einwohnerstadt im Krieg zu 90 Prozent zerstört war. Doch sie wurde nach alten Aufnahmen wieder aufgebaut.

In Frauenberg stieß die Gruppe ein weiteres Mal auf die Spuren von Nikolaus Kopernikus. Dort hat gepredigt und sein Grab befindet sich im Dom. Von Frauenberg ging es per Schiff weiter. In Kolberg haben die Polen eine mächtige Schleuse gebaut, um nicht über das russische Gebiet bei Königsberg fahren zu müssen. In Danzig, das Margrit Sandner 1991 erstmals besucht hat, gab es viel zu sehen, etwa den Artushof oder den Neptunbrunnen. Natürlich gehörte auch der Hafen zur Besichtigungstour, bevor es wieder zurück nach Deutschland ging.

Autor: Lothar Rühl

Margrit Sandner berichtete beim Treffen der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Wetzlar, von einer Reise nach Westpreußen. Sie wurde 1943 in Sedlinen im Kreis Marienwerder in Westpreußen geboren.

Margrit Sandner berichtete beim Treffen der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Wetzlar, von einer Reise nach Westpreußen. Sie wurde 1943 in Sedlinen im Kreis Marienwerder in Westpreußen geboren. Bildnachweis: Lothar Rühl

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