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NACHRUF AUF NORBERT KARTMANN

| Pressearchiv 2026

Norbert Kartmann verstorben

Am 23. Mai ist der frühere Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, im Alter von 77 Jahren in einem Krankenhaus in Lich (Gießen) verstorben. Der 1949 im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel geborene Sohn eines Siebenbürger Sachsen studierte nach seinem Abitur Evangelische Theologie und Physik für das Lehramt und arbeitete später als Lehrer in Hanau und Wölfersheim.

1982 zog Kartmann erstmals für die CDU in den Hessischen Landtag ein. Von 1991 an war er bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, von 1999 bis 2003 deren Vorsitzender. Anschließend stand er von 2003 bis 2019 an der Spitze des Hessischen Landtags – so lange wie kein Präsident vor ihm. Bis 2022 blieb er Landtagsabgeordneter, bevor ihn ein Schlaganfall zum Rückzug aus der Politik zwang.

Eine enge Verbindung pflegte Kartmann stets zu den Siebenbürger Sachsen in Hessen und bundesweit. Er war regelmäßig Gast und Redner beim Heimattag in Dinkelsbühl und setzte sich für die Bewahrung von Kultur, Geschichte und Erinnerungen der Aussiedler und Vertriebenen ein. Zudem unterstützte er maßgeblich die Entstehung der rumänisch-hessischen Regierungskommission. Auch die Verbindung zu Siebenbürgen war ihm persönlich wichtig: Unter anderem trug er dazu bei, dass das Elternhaus seines Vaters in Hetzeldorf Teil des dortigen Altenheims wurde.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein würdigte Kartmann als „homo politicus durch und durch“ und hob sein Engagement für Demokratie, Dialog und die Menschen in Hessen hervor. Auch Landtagspräsidentin Astrid Wallmann erinnerte an ihn als überzeugten Demokraten, der sich besonders für politische Bildung, parlamentarischen Austausch, Europa und die Verständigung mit den östlichen Nachbarn eingesetzt habe.

Für sein langjähriges Wirken erhielt Kartmann zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, 2019 den Hessischen Verdienstorden und 2020 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. 2017 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Landesverbands Hessen im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. gewählt. Auch in Rumänien wurde sein Einsatz für die deutsch-rumänische Verständigung gewürdigt, unter anderem mit dem „Großkreuz des Rumänischen Nationalordens für treue Dienste“ und dem „Stern von Rumänien“ im Rang eines Kommandeurs. 2024 verlieh ihm die Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt die Ehrendoktorwürde.

Mit Norbert Kartmann verliert Hessen einen engagierten Politiker und überzeugten Brückenbauer zwischen Menschen, Regionen und Kulturen.

2024 erhielt Norbert Kartmann (Mitte) im Hessischen Landtag die Ehrendoktorwürde der Lucian-Blaga-Universität; links Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, rechts Prof. em. Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien.

2024 erhielt Norbert Kartmann (Mitte) im Hessischen Landtag die Ehrendoktorwürde der Lucian-Blaga-Universität; links Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, rechts Prof. em. Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Bildnachweis: Hessischer Landtag

Norbert Kartmann mit dem Landesvorstand der Siebenbürger Sachsen Landesverband Hessen bei der Klausurtagung im Jahr 2021.

Norbert Kartmann mit dem Landesvorstand der Siebenbürger Sachsen Landesverband Hessen bei der Klausurtagung im Jahr 2021. Bildnachweis:

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