Am Samstag, den 6. Juni 2026, lud die Deutsch-Baltische Gesellschaft im Rahmen ihres Bundestreffens zu einem vielfältigen Kulturprogramm in das Haus der Deutsch-Balten in Darmstadt ein. Für die Zukunft vorgesorgt hat die Deutsch-Baltische Gesellschaft in Darmstadt. Ein Depositalvertrag, der beim Festakt abgeschlossen wurde, gibt ihr das Recht, das Archiv und die Nachlässe der Gesellschaft nach und nach dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg zu übergeben. Das Archivgut kann aber auch jederzeit bei Bedarf ins Baltenhaus rückgeführt werden.
Als Haus des Brückenbaus würdigte Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz das Baltenhaus. Diese Mittlerfunktion sei in Zeiten eines brüchigen Friedens besonders wichtig. Am Vorabend wurde eine Ausstellung mit Städteansichten aus Lettland und Estland sowie von Posen eröffnet. Die Werke wurden in der Mitte der 1920er Jahre von der deutschbaltischen Malerin Erna von Deeters (1876 – 1961) gestaltet und als Kunstpostkarten vorwiegend in der Estländischen Staatsdruckerei hergestellt. Die Exponate stammen aus der Sammlung von Hans-Werner Carlhoff, Vorsitzender des Deutsch-Baltischen Freundeskreises in Baden-Württemberg.
Mit mehr als 500 Veranstaltungen will Liepāja die Ernennung zur Kulturhaupstadt Europas für 2027 feiern. Damit soll auch das Bewusstsein von Einwohnern und Besuchern gestärkt werden, die aus ganz Europa erwartet werden, zu einem gemeinsamen Kulturbereich zu gehören. Dies versicherte Mārīte Kļaviņa, Vorsitzende der Lettischen Gesellschaft in Frankfurt beim Festakt während des Bundestreffens der Deutsch-Baltischen Gesellschaft in Darmstadt.
Das Kulturhauptstadt-Programm bietet unter anderem Opernaufführungen, Konzerte, Symposien, Ausstellungen und gibt Einblicke in die traditionelle Kultur des Landes. Zur Mittsommernacht am 24. Juni, einem der wichtigsten Festtage im Baltikum, werden viele Veranstaltungen, darunter ein Sauna-Festival, geboten. Nach Kaunas in Litauen 2022 und Tartu/Dorpat in Estland ist Liepāja die dritte Stadt des Baltikums, die von der EU diesen Titel erhält. Liepāja hat rund 70.000 Einwohner.
Liepāja sei beim Projekt Kulturhauptstadt auch um Nachhaltigkeit bemüht, versicherte Mārīte Kļaviņa. Daher werde neben der ganzen Region Südkurland auch die benachbarte Region Kuldiga einbezogen. Kuldiga ist Weltkulturerbe. Die Veranstalter erhoffen sich eine enge Kooperation mit den Orten der Region und den Aufbau und Erhalt eines internationalen Netzwerks. Liepāja wirbt für sich als „Stadt der Paradoxe, die sich, bewusst bescheiden, mit einer europäischen Brille neu sehen und dem europäischen Traum leben möchte“, wie es unter www.liepaja2027.lv offiziell formuliert wird.
Den musikalischen Abschluss des Programms bildete ein Konzert mit Werken von Sergej Rachmaninow, Clara und Robert Schumann, Wolfgang Amadeus Mozart, Claude Debussy, Richard Strauss, Felix Mendelssohn Bartholdy, Pjotr Iljitsch Tschaikowski und George Gershwin, das bei den Gästen großen Anklang fand.



