Seit 1950 wird in Deutschland alljährlich der „Tag der Heimat“ begangen – ein Gedenktag, der die besonderen Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang ins Bewusstsein rückt. Ursprünglich wurde er anlässlich der Verkündung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen am 5. August 1950 in Stuttgart ins Leben gerufen, die den Verzicht auf Rache erklärte und ein Europa des Friedens und der Verständigung beschwor. Für das Bundesland Hessen, in dem mindestens jeder Vierte familiäre Verbindungen zu Flucht, Vertreibung oder Umsiedlungen hat, veranstaltet der Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen e.V. (BdV Hessen) am 21. September ab 11 Uhr im Schloss Biebrich den Zentralen Tag der Heimat, in Kombination mit dem 12. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Der Festakt wird in Kooperation mit der Hessischen Staatskanzlei vollzogen und vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert.
Wie jedes Jahr eröffnet der Vorsitzende des BdV Hessen, Siegbert Ortmann, die Veranstaltung mit einer Begrüßung. Im Anschluss spricht der Hessische Innenminister, Prof. Dr. Roman Poseck, in Vertretung des Ministerpräsidenten zum 12. Hessischen Gedenktag. Den Höhepunkt des Festaktes bildet die Ansprache von Rafał Bartek.
Rafał Bartek, geboren 1977 in Oppeln, ist einer der profiliertesten Vertreter der deutschen Minderheit in Polen. Der studierte Pädagoge steht seit 2015 an der Spitze der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD), die mit über 300 Ortsgruppen die größte Organisation der deutschen Minderheit in Polen bildet. Seit 2022 ist er zudem Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), der Dachorganisation. Auf regionalpolitischer Ebene bekleidet Bartek seit 2018 das Amt des Vorsitzenden des Regionalparlamentes (Sejmik) der Woiwodschaft Oppeln und bringt dort die Anliegen der deutschen Minderheiten in den politischen Diskurs ein.
Bartek gilt als Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen. Er setzt sich für die Förderung der deutschen Sprache, die Stärkung unabhängiger Medien der Minderheit und für den Schutz von Minderheitenrechten ein. Maßgeblich begleitete er die Gründung des Dokumentations- und Ausstellungszentrums der Deutschen in Polen in Oppeln, das 2022 eröffnet wurde. Durch seine klare Stimme gegen Diskriminierung und für eine offene Erinnerungskultur genießt er hohes Ansehen über die Grenzen Polens hinaus. Die stellvertretende Vorsitzende des BdV Hessen, Rose-Lore Scholz, rundet den Festakt mit ihren Schlussworten ab. Musikalisch umrahmt, wird die Veranstaltung von einem Blechquintett und einem Streichtrio der Jungen Musik Hessen gGmbH. Im Anschluss sind alle Gäste herzlich zu einem Empfang im Schloss Biebrich eingeladen.





