Der Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen (BdV-Landesverband Hessen) hat am 15. und 16. Oktober zwei bedeutende Kultur- und Erinnerungsorte deutscher Heimatvertriebener besucht. Die zweitägige Bildungsreise führte die rund 30 Teilnehmer zum Haus der Donauschwaben in Sindelfingen und zum Siebenbürgischen Kulturzentrum Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar. Neben Einblicken in die Geschichte und Kultur der Donauschwaben und Siebenbürger Sachsen standen persönliche Begegnungen und der Austausch mit den Verantwortlichen der Einrichtungen auf dem Programm.
Einblicke in die Geschichte der Donauschwaben
Zum Auftakt besuchte die Gruppe das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen. Die Leiterin der Einrichtung, Dr. Violeta Bakia, gab Einblicke in die Arbeit des Hauses und die Geschichte der Donauschwaben. Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der Donauschwaben, Thomas Dapper, war anwesend und stellte den Bundesverband der Donauschwaben vor.
Die Teilnehmer besichtigten das Haus, die Donauschwäbische Spezialbibliothek, die Bauernstube, das Archiv sowie die Gedenkstätte der Donauschwaben im Lichthof. Die verschiedenen Stationen vermittelten einen Eindruck von der Geschichte, den kulturellen Traditionen und den Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang. Zugleich wurde deutlich, welche Bedeutung die Sammlung und Bewahrung von Dokumenten, Büchern, Erinnerungsstücken und persönlichen Lebensgeschichten für die Weitergabe des kulturellen Erbes hat.
Die Donauschwaben sind deutschsprachige Bevölkerungsgruppen, deren Vorfahren sich vor allem im 18. Jahrhundert entlang der Donau auf dem Gebiet des Königreichs Ungarn niederließen. Ihre Siedlungsgebiete erstreckten sich im heutigen Ungarn, Serbien, Kroatien und Rumänien. Über Generationen entwickelten sie eigene regionale Traditionen und prägten das kulturelle Leben ihrer Siedlungsgebiete.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Donauschwaben von Verfolgung, Enteignung, Deportation und Vertreibung betroffen. In Deutschland sowie in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten bauten sie sich ein neues Leben auf. Seither engagieren sie sich für den Erhalt ihres Dialektes, ihrer Kultur und Geschichte und tragen damit über Generationen hinweg zur Völkerverständigung bei.
Schloss Horneck als Zentrum siebenbürgisch-sächsischer Kultur
Am zweiten Tag führte die Exkursion nach Gundelsheim am Neckar zum Siebenbürgischen Kulturzentrum Schloss Horneck. Heidi Mößner, stellvertretende Bundesvorsitzende der Siebenbürger Sachsen und Vorsitzende des Vereins „Siebenbürgisches Kulturzentrum Schloss Horneck e. V.“, gab eine Einführung in die Geschichte des Schlosses und seine heutige Bedeutung als Kultur- und Begegnungsstätte.
Bei dem Besuch lernte die Gruppe außerdem Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen, kennen. Anschließend führte Dr. Horst Müller durch das Schloss und erläuterte dessen Geschichte. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des hauseigenen Museums und der Bibliothek. Auch die Arbeit des Siebenbürgen-Instituts und seine Bestände boten Gelegenheit, sich vertieft mit der Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen auseinanderzusetzen.
Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit, deren Vorfahren sich seit dem Mittelalter in Siebenbürgen niederließen, einer historischen Region im heutigen Rumänien. Über Jahrhunderte prägten sie das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Region. Ihre Geschichte ist eng mit Städten, Kirchenburgen, Schulen und einem ausgeprägten Gemeinschaftsleben verbunden. Im 20. Jahrhundert führten Krieg, Verfolgung und politische Umbrüche dazu, dass viele Siebenbürger Sachsen ihre Heimat verließen und sich unter anderem in Deutschland eine neue Existenz aufbauten.
Erinnerung bewahren und kulturelles Erbe vermitteln
Die beiden Besuche verdeutlichten, wie wichtig spezialisierte Kultur- und Erinnerungsorte für die Bewahrung historischer Zeugnisse und die Vermittlung von Geschichte sind. Bibliotheken, Archive, Museen und persönliche Begegnungen ermöglichen es, die Lebenswege deutscher Minderheiten in Südosteuropa nachzuvollziehen und ihre Erfahrungen von Heimatverlust, Ankunft und Integration als Teil deutscher Geschichte zu verstehen.
Rose-Lore Scholz, stellvertretende Vorsitzende und Kulturbeauftragte des BdV-Landesverbandes Hessen, fasst die Eindrücke der Exkursion wie folgt zusammen: „Die Geschichte der Donauschwaben und Siebenbürger Sachsen zeigt, wie eng die Geschichte Europas miteinander verwoben ist. Wer ihre Kultur und ihre Erfahrungen kennenlernt, erkennt nicht nur, was Menschen durch Flucht und Vertreibung verloren haben, sondern auch, was sie bewahren und neu aufbauen konnten.“ Sie führt weiter aus: „Dieses gemeinsame kulturelle Erbe verbindet über Ländergrenzen hinweg. Es zu bewahren und weiterzugeben, stärkt das gegenseitige Verständnis und erinnert daran, wie wichtig ein demokratisches, friedliches und geeintes Europa ist.“
Die Exkursion wurde in Kooperation mit dem Haus der Donauschwaben Sindelfingen und dem Siebenbürgischen Kulturzentrum Schloss Horneck e. V. durchgeführt und durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert.
Über das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen
Das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen ist eine der ältesten donauschwäbischen Kulturinstitutionen und zugleich das Weltheimathaus der weltweit verstreuten Donauschwaben. Die dortige Ausstellung vermittelt die Geschichte und Kultur der Donauschwaben und verdeutlicht die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang. Anschauliche Exponate, die Gedenkstätte, eine umfangreiche Bibliotheks- und Archivsammlung eröffnen einen einzigartigen Einblick in das kulturelle Erbe und die Geschichte der donauschwäbischen Gemeinschaft.
Über das Siebenbürgische Kulturzentrum Schloss Horneck in Gundelsheim
Schloss Horneck gilt als das kulturelle und wissenschaftliche Zentrum der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und beherbergt drei zentrale Einrichtungen: das Siebenbürgische Kultur- und Begegnungszentrum, das Siebenbürgische Museum sowie das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek, Archiv und Forschungsstelle. Die Einrichtungen widmen sich der Erforschung, Dokumentation, Bewahrung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen und Landler sowie ihres multiethnischen und multireligiösen Umfelds in Siebenbürgen.







