Der Hessische Minister des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, Prof. Dr. Roman Poseck, war als Festredner für die Feierstunde zum Tag der Heimat und zum 13. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau nach Stockstadt (Rhein) in die dortige Begegnungsstätte der katholischen Kirchengemeinde gekommen.
In seiner Festrede ging Staatsminister Poseck auf das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen ein und würdigte deren Lebensleistung. Ohne den Einsatz dieser Menschen wäre die Entwicklung des Landes Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht möglich gewesen. „Das Wissen um Vertreibung und Heimatverlust sind nicht nur Erinnerungen an gestern, sondern eine Mahnung für heute und Verpflichtung für Morgen. Wer seine Heimat verliert, verliert weit mehr als einen Ort auf der Landkarte. Es sind das Elternhaus, die vertrauten Wege, die Nachbarschaft, die Kirche, die Sprache und die Erinnerungen an ein Leben, das plötzlich zurückbleiben muss.“
Die Bewahrung und Weitergabe des Kulturgutes der deutschen Heimatvertriebenen in Hessen werde die Hessische Landesregierung als Teil des deutschen und europäischen Kulturgutes gemäß Paragraf 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) auch weiterhin finanziell unterstützen. „Das kulturelle Erbe der Vertriebenen soll nicht nur bewahrt werden, sondern als Brücke zu den europäischen Nachbarn und als Beitrag zu Frieden und Verständigung verstanden werden.“
Poseck stellte außerdem einen Bezug zum russischen Angriffsgriff gegen die Ukraine her. Auch heute müssten Menschen ihre Angehörigen, ihre Heimat und ihre Sicherheit verlieren, denn Frieden, Freiheit und Heimat seien keine Selbstverständlichkeiten.
Landrat Thomas Will, Schirmherr der Veranstaltung, erinnerte in seinen Grußworten an die Situation der Heimatvertriebenen nach deren Ankunft im Kreis Groß-Gerau. „Mit meiner Teilnahme möchte ich zugleich meine Verbundenheit mit all jenen Menschen zum Ausdruck bringen, die einst als Vertriebene und Flüchtlinge in den Kreis Groß-Gerau gekommen sind und hier eine neue Heimat gefunden haben.“
Der Kreis Groß-Gerau hätte nach seinen Aussagen eine großartige Integrationsleistung vollbracht. Sein Dank gelte dabei auch jenen Menschen mit Flucht- und Vertreibungshintergrund, die sich dabei in vielfältiger Art Weise dafür eingebracht hätten. Landrat Will ging auch auf das Leitwort zum diesjährigen Tag der Heimat „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“ ein. „Kulturelle Einflüsse sind in einer globalisierten Welt allgegenwärtig und bereichern dort, wo sie im gegenseitigen Respekt aufgenommen, bewahrt und weiterentwickelt werden. Die Vertriebenen haben dieses kulturelle Erbe bewahrt und zugleich unsere Gesellschaft bereichert. Vieles, was zunächst Erinnerung an eine verlorene Heimat war, ist heute selbst Teil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes geworden.“
Helmut Brandl, Co-Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau, stimmte die erschienenen Gäste auf das Leitwort dieses Tages „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“ ein. „Wenn wir die Leitworte des „Tages der Heimat“ über die Jahrzehnte betrachten, erkennen wir darin auch ein Stück unserer eigenen Geschichte. Sie geben unserer Erinnerung jedes Jahr eine neue Richtung: Sie erinnern an die Vergangenheit, bewahren unser kulturelles Erbe und machen deutlich, dass aus Erinnerung Verantwortung für Frieden, Verständigung und eine gemeinsame europäische Zukunft erwächst.“
Das „Geistliches Wort“ sprach Pfarrerin Ksenija Auksutat von der evangelischen Kirchengemeinde Rhein-Ried. Danach habe unter Christen nicht Hass das letzte Wort, sondern Leben, Liebe und Frieden.
Die Feierstunde wurde vom Violin-Duo Clara Fiedler und Mathilda Mikowski-Bosworth umrahmt. Im Anschluss des Festaktes lud die BdV-Musik- und Gesangsgruppe unter dem Motto „Fröhliche Heimatklänge“ zum gemütlichen Beisammensein ein.
Die Besucher hatten zeitgleich die Möglichkeit, eine Bilderausstellung des Gernsheimer Heimatmalers Helmuth Petendra zu besuchen. Besonders bekannt ist sein „Banater Bilderbogen“ mit 25 Bildern, der das frühere Leben in seinem Heimatort Traunau im Banat, im heutigen Rumänien, zeigt.
Autor: Helmut Brandl, Co-Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau





