Mit einer bewegenden Gedenkfeier am Frankenberger Bahnhof erinnerte der BdV-Waldeck-Frankenberg an die Ankunft der Heimatvertriebenen vor 80 Jahren. Rund 70 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Veranstaltung teil, die an Flucht, Vertreibung und den anschließenden Neuanfang in Frankenberg und der Region erinnerte.
Zwischen März und Ende des Jahres 1946 kamen insgesamt etwa 9.300 Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie aus dem Sudetenland in acht Transporten nach Frankenberg. Viele von ihnen prägten den Wiederaufbau und die Entwicklung der Region nachhaltig. Unter den Gästen der Gedenkfeier befanden sich auch Angehörige der Erlebnisgeneration, darunter die über 90-jährige Traudl Held aus Frankenberg (gebürtig aus Nordmähren) und die 100-jährige Elisabeth Kuttner aus Bad Arolsen (gebürtig aus Stolp in Pommern).
In seiner Ansprache betonte der BdV-Kreisvorsitzende Rüdiger Richter den Bedeutungsunterschied zwischen den Begriffen Heimat und Zuhause. „Eine Heimat gibt es nur einmal“, stellte er heraus und erinnerte daran, dass Heimat nicht allein ein Ort sei, sondern auch durch Menschen, Gemeinschaft und persönliche Erfahrungen geprägt sowie nicht zuletzt durch die eigenen Wurzeln definiert sei. Ohne die Leistungen der Heimatvertriebenen wäre die Entwicklung der Stadt und der Region in den vergangenen Jahrzehnten nicht denkbar gewesen.
Auch Bürgermeisterin Barbara Eckes würdigte die Bedeutung der Gedenkstunde und unterstrich, wie wichtig es sei, die Erinnerung an Flucht und Vertreibung auch für kommende Generationen lebendig zu halten. Sie verwies zudem auf zwei alte Koffer, die als Symbol für Flucht, Ankunft und Neubeginn an die Erfahrungen der Heimatvertriebenen erinnerten.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Chor "Da Capo" sowie Kantor Nils-Ole Krafft am Klavier mit Liedern aus dem deutschen Osten wie “Ännchen von Tharau”, "Sudetenland, mein Heimatland" oder dem “Pommernlied”. Berthold Schreiber aus Obernburg gab persönliche Einblicke in die Geschichte seiner Familie und las aus seinem Buch „Erinnerungen an die Welt von Gestern“ über die Erlebnisse seines aus dem Sudetenland vertriebenen Vaters. Schließlich gedachte Heike Weiß aus Frankenberg ihrer Familie und las aus den Notizen ihrer Eltern, dass für diese im Sudetenland wie auch nach der Ankunft im nordhessischen Örtchen Itter "der Krieg erst begann, als der Krieg schon beendet war". Dabei wurde deutlich, wie schwierig die ersten Jahre nach der Ankunft waren, aber auch, mit welchem Mut und welcher Tatkraft die Menschen sich eine neue Existenz aufbauten.
Für die jüngere Generation sprach der 17-jährige Fabian Berghöfer, jüngstes Mitglied des BdV, über die Bedeutung der Erinnerungskultur. Er würdigte die Lebensleistung der Heimatvertriebenen und betonte, dass die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neubeginn auch Jahrzehnte später nichts an ihrer Bedeutung verloren hätten.
Im Anschluss an die Gedenkfeier bestand die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Gang zum Vertriebenendenkmal am Kloster St. Georgenberg. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich tief bewegt von der Veranstaltung und der gemeinsamen Erinnerung.
Autor: Gerhard Meiser





