Wie wirken Krieg, Flucht und Vertreibung über Generationen hinweg in Familien nach? Dieser Frage widmet sich die aktuelle Folge des Podcasts „CULTURE TO GO“ des Bundes der Vertriebenen – Landesverband Hessen (BdV-Landesverband Hessen). Im Gespräch zwischen Moderatorin Anja Schöpe und der Autorin Peggy Patzschke stehen ihr Roman „Bis ans Meer“ sowie die persönliche und historische Spurensuche, die ihm zugrunde liegt, im Mittelpunkt.
Ausgehend von einer Familiengeschichte, die 1906 in Schlesien beginnt, erzählt der Roman von den Lebenswegen der Figuren Frieda und Karl, die durch den Zweiten Weltkrieg, Flucht und Nachkriegszeit geprägt sind. Die Handlung reicht bis in die Gegenwart, in der eine Enkelin den Spuren ihrer Familie nachgeht. Dabei verbindet der Roman historische Ereignisse mit Fragen nach Identität, Erinnerung, Liebe und familiären Prägungen.
Vom Erleben zur literarischen Auseinandersetzung
Im Podcast beschreibt Peggy Patzschke, wie eng persönliche Erfahrungen, familiäre Erzählungen und eigene Recherchen miteinander verwoben sind. Bereits in ihrer Kindheit habe sie intensive Kriegserzählungen innerhalb der Familie gehört, zugleich aber auch Leerstellen und Verschwiegenes wahrgenommen. Diese Erfahrungen hätten ihr Interesse an Familiengeschichte und schließlich den Weg zum Schreiben des Romans geprägt.
Ein zentrales Thema der Folge sind transgenerationale Traumata. „Ich bin davon überzeugt, dass Spuren von Traumata aus früheren Generationen über drei bis vier Generationen hinweg wirken können, bis im besten Fall ein Durchbrechen dieses Kreislaufs gelingt“, sagt Peggy Patzschke. Gleichzeitig betont sie die Möglichkeit der Veränderung: Durch Bewusstwerdung, Gespräche und Versöhnung könne es gelingen, familiäre Muster zu durchbrechen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Neben der historischen Dimension rückt die Folge auch persönliche Entwicklungsprozesse in den Blick. Peggy Patzschke berichtet, dass die Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte und das Schreiben des Romans ihre Sicht auf Beziehungen, Mutterschaft und Selbstwahrnehmung verändert habe. Erinnerung werde so nicht nur zum Rückblick, sondern auch zur Grundlage für persönliche Entwicklung und gegenwärtige Orientierung.
Der Podcast „CULTURE TO GO“
„CULTURE TO GO“ ist der Podcast des BdV-Landesverbandes Hessen zur europäischen Zeitgeschichte. Seit 2021 widmet sich der Podcast Themen der Erinnerungskultur, der Flucht- und Vertreibungsgeschichte sowie der historischen und kulturellen Verflechtungen Europas.
Das Projekt wird gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz. Der Podcast ist unter anderem auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und YouTube unter „CULTURE TO GO“ verfügbar: www.youtube.com/watch


