Der BdV-Landesverband Hessen und die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen trafen sich am 27. November 2025 zu einem intensiven Austausch über die gemeinsame politische Arbeit und mögliche Kooperationen im Jahr 2026. Für den Bund der Vertriebenen, Landesverband Hessen e.V. (BdV Hessen), nahmen Landesvorsitzender Siegbert Ortmann, Stellvertretende Landesvorsitzende Rose-Lore Scholz, Birgit Grüner, Vorstandsmitglied und Beauftragte für Ostkunde im Unterricht, Landesgeschäftsführerin Jolanta Lemm, Kulturreferentin Agnes Brügging-Lazar, Kulturreferentin Ann-Kathrin Hartenbach und Presse- und Öffentlichkeitsreferent Fabian Hilzinger teil. Die Grünen-Landtagsfraktion wurde durch Fraktionsvorsitzenden Mathias Wagner (MdL), Marcus Bocklet (MdL) und Lara Klaes (MdL) vertreten. Das Gespräch zeigte deutlich, wie stark die inhaltlichen Schnittmengen in den Bereichen Kultur, Wertevermittlung, Demokratiebildung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und schulische Vermittlungsarbeit sind und wie sehr beide Seiten daran interessiert sind, diese Möglichkeiten weiter zu erforschen.
Der BdV Hessen stellte zentrale Projekte für 2026 vor, darunter etwa die Erweiterung des Digitalportals „Flucht & Vertreibung“, neue Formate der Kultur- und Jugendarbeit, tiefgreifende Kooperationen mit unterschiedlichen Institutionen, sowie auch bereits 2025 umgesetzte Lesungen, Podiumsdiskussionen und Schulprojekte. Besonders der schulische Bereich erwies sich als Schlüsselthema bei dem Austausch von BdV und Grünen. Während Angebote bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften auf starke Resonanz stoßen, erschweren administrative Belastungen vieler Lehrkräfte den Zugang zu neuen Themen. Dank der Akkreditierung des BdV Hessen, als Fortbildungsträger bei der Hessischen Lehrkräfteakademie und die Zusammenarbeit mit dem Referat Wertevermittlung im Hessischen Kultusministerium, konnten jedoch wichtige Fortschritte erzielt werden.
Einigen Raum nahm außerdem die Zukunft der Inventarisierung von Heimatstuben ein. Kulturreferentinnen Agnes Brügging-Lazar und Ann-Kathrin Hartenbach sowie Kulturbeauftragte Rose-Lore Scholz und Landesvorsitzender Siegbert Ortmann berichteten über laufende Inventarisierungen, Filmprojekte und die digitale Dokumentation von Exponaten und Zeitzeugnissen. Die Grünen würdigten das Engagement zur Bewahrung dieser „Schätze der Erlebnisgeneration“, die in Fragen von Identität und gesellschaftlicher Orientierung eine hohe Relevanz haben. Dank der Sicherung und Inventarisierung der Heimatstuben in privater Hand kann der BdV Hessen diese wertvollen Exponate an größere Museen oder Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach, oder den Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager (NAL) Gießen vermitteln.
Insbesondere gesellschaftspolitische Themen standen jedoch im Mittelpunkt des Austauschs. Lara Klaes hob die Bedeutung politischer Bildung hervor, um den Missbrauch des Heimatbegriffs durch extremistische Akteure zu verhindern. Siegbert Ortmann warnte vor einer zunehmenden Polarisierung der politischen Landschaft und appellierte an die Grünen, klare inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und undemokratischen Parteien kein Deutungsvakuum zu überlassen. Beide Seiten betonten, wie wichtig es sei, demokratische Kräfte zu stärken und Flucht- und Migrationsthemen differenziert zu betrachten, um Begriffe wie Heimat und Identität erneut als positive Werte für eine vielfältig starke Gesellschaft zurückzugewinnen.
Der BdV Hessen unterstrich zudem seine Absicht, das Haus der Heimat wieder zu einem lebendigen Begegnungsort zu machen, stärker mit Stiftungen, Theatern, Künstlerinnen, Künstlern und kulturellen Institutionen zu kooperieren und auch neue, angedachte Projekte wie die „Human Library“ voranzutreiben. Dabei sei der BdV Hessen in seiner Projektplanung stets auf mögliche Zusammenarbeit und optimale Voraussetzungen zur Vermittlung von Expertenwissen bedacht. Die verbandsinterne inhaltliche Ausgestaltung bezöge sich bei den werteorientierten Projekten ausschließlich auf die Rahmensetzung und Förderungen konstruktiver Austäusche. Entsprechend signalisierten die Grünen ihre Bereitschaft, diese Arbeit politisch zu begleiten und gemeinsame Schnittstellen weiter auszubauen. Dabei lobten sie die liberale Einstellung des hessischen Landesverbands und die demokratische Gesinnung, die sich ebenso klar in der Arbeit des BdV Hessen, wie einst in der Charta der Heimatvertriebenen widerspiegelt. Am Ende stand die klare Erkenntnis, dass eine enge Zusammenarbeit im Jahr 2026 einen wichtigen Beitrag zu einer offenen, demokratischen und solidarischen Gesellschaft leisten kann. Ein Ziel, das beide Seiten ausdrücklich teilen.


