Die Kindheit von Gerd-Helmut Schäfer begann nicht in Freiheit, sondern in der Deportation. Als Säugling wurde er gemeinsam mit seiner Familie von Ostpreußen aus nach Sibirien verschleppt. Der Bund der Vertriebenen – Landesverband Hessen (BdV-Landesverband Hessen) erzählt diese Lebensgeschichte in einem Zeitzeugenfilm, der ab sofort auf dem YouTube-Kanal „CULTURE TO GO“ verfügbar ist.
Im ostpreußischen Memelland kam Gerd-Helmut Schäfer 1948 zur Welt. Im März 1949 deportierten die sowjetischen Behörden seine Familie nach Sibirien. Wochen später endete der Transport in einem abgelegenen Dorf, in dem die Eltern unter einfachen Bedingungen in einer Kolchose arbeiten mussten. Er verbrachte seine Kindheit dort, besuchte eine russische Schule und wuchs zwischen deutscher Herkunft und sowjetischer Lebenswirklichkeit auf.
Kindheit zwischen Deportation und Hoffnung auf Rückkehr
Nach dem Tod Stalins verbesserten sich die Lebensbedingungen der Familie allmählich. Über die deutsche Botschaft in Moskau, das Deutsche Rote Kreuz und Verwandte in Deutschland gelang schließlich die Genehmigung zur Ausreise. Im Dezember 1958 kehrte die Familie nach fast zehn Jahren über das Grenzdurchgangslager Friedland nach Deutschland zurück.
„Das Schicksal von Gerd-Helmut Schäfer steht stellvertretend für viele deutsche Familien, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren und Deportation, Zwangsarbeit sowie jahrelange Verbannung erleiden mussten“, sagt Rose-Lore Scholz, stellvertretende Landesvorsitzende und Kulturbeauftragte des BdV-Landesverbandes Hessen. „Sein Zeitzeugenbericht macht deutlich, welche Folgen politische Gewalt für ganze Familien hatte und wie wichtig es ist, diese Erinnerungen für kommende Generationen zu bewahren.“
Im Filmbeitrag schildert Gerd-Helmut Schäfer diese Erfahrungen aus persönlicher Sicht. Der Zeitzeugenfilm ist auf dem YouTube-Kanal des BdV-Landesverbandes Hessen „CULTURE TO GO“ verfügbar. Den Link zum Film finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=8PrIU68cbEo
Das Projekt „Vertriebenenportraits“
Die Filmreihe bewahrt die persönlichen Erinnerungen von Menschen, die Flucht, Vertreibung und den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg selbst erlebt haben. In authentischen Interviews berichten sie von ihren Lebenswegen, ihren Erfahrungen und ihrer Verbundenheit mit der alten und neuen Heimat.
Ziel der Reihe ist es, die Erinnerungen der Erlebnisgeneration für kommende Generationen zu dokumentieren und dauerhaft zu bewahren. Die Filmaufnahmen geben den Zeitzeugen Raum, ihre Geschichte in ihren eigenen Worten zu erzählen. Sie wurden von einem Mitarbeiter des BdV-Landesverbandes Hessen geführt und wurden durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert.


