Der BdV-Kreisverband Groß-Gerau lädt zur Sonderausstellung „80 Jahre Flucht und Vertreibung, 1945–2025“ ins Museum der Schöfferstadt Gernsheim ein. Auf 16 Tafeln wird eindrücklich gezeigt, woher Menschen vertrieben wurden, welche Leiden sie ertragen mussten und wie die Aufnahme und Integration im Kreis Groß-Gerau gelang.
Besonderes Augenmerk liegt auf den 822 Heimatvertriebenen, die damals rund 14 % der Bevölkerung des Städtchens Gernsheim ausmachten. Die Heimatvertriebenen, die zum Großteil aus dem Sudetenland, Schlesien und Ost- und Westpreußen vertrieben und umgesiedelt wurden, hatten bei ihrer Ankunft in der südhessischen Schifferstadt am Rhein wenig mehr als das, was sie am Leib trugen. In anderen hessischen Städten war um 1950 bereits fast jeder Fünfte Heimatvertriebener oder Flüchtling. In der BRD machte der Anteil der Neubürgerinnen und Neubürger dabei 16,5% der Gesamtbevölkerung aus.
Mit dem Ostpreußenlied eröffnete die Musik- und Gesangsgruppe des Bundes der Vertriebenen (BdV) die Vernissage. Klaus Müller, Vorsitzender des Kunst- und Kulturhistorischen Vereins, bezeichnete die Ausstellung als wichtig zur Erinnerung. Er wünschte sich viele junge Besucher. Das wiederholte Bürgermeister Peter Bürgel (CDU): „Erinnern ist der Auftrag dieser Ausstellung.“ Die Integration der Heimatvertriebenen sei mustergültig gelungen.
In seiner Einführung bezeichnete sich Kurator Harald Hoppe als zur ersten Generation der Flüchtlingskinder gehörend, die in der „neuen“ Heimat geboren wurden, 1953 in Gernsheim. Seine Familie musste 1946 aus der „alten Heimat“ in Westpreußen fliehen. Während seiner Recherchen zur Ausstellung habe er viel über jene Grausamkeiten erfahren, die Vertriebene und Flüchtlinge durchleben mussten. Dabei sei ihm auch der Gedanke gekommen, „über die Kraft der Hoffnung, die jeden dieser Menschen getragen haben muss, aus der Kraft für jeden einzelnen Tag geschöpft worden ist“. Das gelte auch für die heutigen Flüchtlinge auf der ganzen Welt.
Die Ausstellung ist bis zum 26. Januar 2026 im Schöfferhaus zu sehen, jeweils mittwochs von 17 bis 19 Uhr und am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr. Sonderführungen können telefonisch, unter 06258-1081401 vereinbart werden.



