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75 Jahre Hessen und Siebenbürger zugleich

| Jahresempfang

Der Festakt im Hessischen Landtag und die Ausstellungseröffnung zum 75-jährigen Jubiläum der Siebenbürger Sachsen in Hessen

Am 12. September 2025 erlebte Wiesbaden einen Festakt mit einzigartigem Charme: Der Landesverband Hessen der Siebenbürger Sachsen feierte sein 75-jähriges Bestehen im Hessischen Landtag. Mit einer Tanzgruppe, Trachten, musikalischer Umrahmung durch das Siebenbürgische Sextett und einem Livestream setzte die Gemeinschaft ein starkes Signal für kulturelles Erbe und gleichzeitiger kreativer Erneuerung.

Landtagsvizepräsident Frank Lortz würdigte die Siebenbürger Sachsen bei seiner Begrüßung als Brückenbauer, die von protestantischer Ethik, religiöser Toleranz und starkem Engagement für die Gesellschaft geprägt sind. Er hob ihre Rolle als Verfechter des europäischen Gedankens hervor und betonte die engen internationalen Partnerschaften nach Rumänien, Österreich und auch Kanada. Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck betonte die jugendliche Kraft der Gemeinschaft. Der Landesverband schaffe es, junge Menschen zu erreichen, die europäische Zusammenarbeit zu stärken und Brücken zwischen Herkunft und neuer Heimat zu bauen. Mit Blick auf das starke Selbstverständnis Siebenbürger Sachsen als gleichzeitige Hessen, betonte er, dass Integration nicht Selbstaufgabe bedeute.

Der Vorsitzende des BdV-Landesverbandes Hessen, Siegbert Ortmann, setzte in seiner Ansprache das 75-jährige Verbandsleben der Siebenbürger Sachsen in Hessen in eine andere Perspektive. Er bezeichnete die 75 Jahre als „ein ganzes Menschenleben“ – geprägt von zunächst Flucht, aber auch von einem erfolgreichen Neubeginn, einzigartiger Heimatverbundenheit und kultureller Bewahrung. „Was die „Siebenbürger Sachsen“ in 75 Jahren aufgebaut haben, verdient Hochachtung. Sie zeigen uns allen, wie aus dem schweren Erbe von Flucht und Vertreibung etwas Neues, Kreatives entstehen kann: eine lebendige Volksgruppe, die stolz auf ihre Wurzeln ist und zugleich offen in die Zukunft blickt. Dafür danke ich Ihnen – im Namen des Bundes der Vertriebenen, aber auch ganz persönlich als selbst sudetendeutscher Heimatvertriebener der Erlebnisgeneration.“, so Ortmann.

Auch Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten sowie Bundesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, würdigte die Siebenbürger Gemeinschaft als zentralen Träger der Erinnerungskultur und Kulturarbeit. Die Zugehörigkeit der Siebenbürger Sachsen sei eine Bereicherung des pluralistischen Lebens in Hessen und Deutschland. Rainer Lehni, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, lobte zudem den Landesverband Hessen, die Kreisverbände, die Jugendarbeit und das Engagement vor Ort. Andreas Hofmeister, hessischer Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, durfte am vergangenen Freitag gleich doppelt feiern. Beim Festakt im Landtag, der auf seinen Geburtstag fiel, hob er unter anderem die prägende Rolle der Siebenbürger Sachsen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik seit 1950 hervor, bevor das Jubiläum des Landesverbands mit der Nationalhymne und dem Siebenbürgerlied endete. Weiter ging’s im danach im Haus der Heimat.

 

Andreanum – 800 Jahre Recht und Verfassung der Siebenbürger Sachsen

 

Anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums eröffnete der Landesverband der Siebenbürger Sachsen in Hessen im Haus der Heimat die Wanderausstellung „Andreanum – 800 Jahre Recht und Verfassung der Siebenbürger Sachsen“. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung.

Die Historiker Dr. Harald Roth und Thomas Şindilariu eröffneten die Ausstellung mit einem lebendigen Dialog. Sie erklärten die Entstehung des Andreanums aus dem Jahr 1224 - ein Freibrief, der den Siedlern in Siebenbürgen weitreichende Rechte, Freiheiten und rechtlichen Schutz zusicherte. Dieses Dokument prägte über Jahrhunderte die Identität, Einheit und Rechtsstellung der deutschen Siedler, die zur Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen zusammenwuchsen und wurde zur Grundlage ihres Selbstverständnisses. In einem lebendigen Dialog mit Rollenspiel-Charakter führten Roth und Şindilariu das Publikum durch acht Jahrhunderte bewegter Geschichte, die mit dem Freibrief des erfolglosen Königs Andreas II. begann. Entscheidend sei stets das Wohl der gesamten Siebenbürger Gemeinschaft gewesen. Eine Eigenschaft, die sich bis heute im Selbstverständnis der Siebenbürger Sachsen durchzuziehen scheint.

Anschließend lud die Landesvorsitzende Ingwelde Juchum die Gäste zu siebenbürgischen Spezialitäten ein.

Siebenbürger Sachsen tragen nicht nur ein reiches historisches Erbe, sondern sind zugleich fest in der hessischen Gegenwart verankert. „Hesse ist, wer Hesse sein will“ – dieser Satz des Ministerpräsidenten Georg August Zinn aus dem Jahr 1961 gilt für sie bis heute. Siebenbürger Sachsen können Hessen sein, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen – und bleiben so Brückenbauer zwischen Gestern, Heute und Morgen, sowie zwischen Hessen, Deutschland, Siebenbürgen und Rumänien.

 

 

(Foto: Heinke Reitz) Blick in den Saal, auf die Gäste und Redner.

Die Festredner (von links nach rechts) Thomas Șindilariu, Andreas Hofmeister, Ramona Linz, Prof. Dr. Roman Poseck, Ingwelde Juchum, Dr. Bernd Fabrizius, Rainer Lehni, Frank Lortz und Siegbert Ortmann.

Landesvorsitzende der Siebenbürger Sachsen in Hessen, Ingwelde Juchum (links), Dr. Harald Roth (Mitte), Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa und Thomas Șindilariu (rechts), Unterstaatssekretär am Department für Interethnische Beziehungen in der Regierung Rumäniens, präsentieren das Faximile des Andreanums von 1224.

(Foto: Heinke Reitz) Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen in Hessen in siebenbürgischer Tracht.

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