Dr. Olga Martens, geborene Wiediger, wurde in einem deutschen Dorf in Sibirien geboren und lebte später mehrere Jahre in Kasachstan und Tadschikistan. Ihre Familiengeschichte steht beispielhaft für die Erfahrungen vieler Russlanddeutscher. Als Nachfahren deutscher Siedler, die seit dem 18. Jahrhundert im Russischen Reich lebten, waren viele Russlanddeutsche während der Zeit des Stalinismus von Deportationen, Zwangsarbeit und der Auflösung ihrer Siedlungsgebiete betroffen.
Im Mittelpunkt des Filmbeitrags stehen zwei Familiengeschichten und zwei Männer: Der Großvater von Dr. Olga Martens, Heinrich Wiediger, sowie ihr Schwiegervater Heinrich Martens. Beide waren in der Trudarmee beziehungsweise im Gulag-System in den Kohlengruben von Workuta im hohen Norden eingesetzt. Heinrich Wiediger wurde bereits 1946 aus der Haft entlassen.
Heinrich Martens blieb bis 1956 in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr brachte er einen alten Holzkoffer sowie eine Häftlingsnummer auf einem Schild mit. Die Häftlingsnummer ersetzte komplett den Namen des Häftlings. Über seine Erlebnisse sprach er später kaum. „Man hat ihn zutiefst verletzt, bis in seine Seele hinein“, beschreibt Dr. Olga Martens die tiefen Spuren, die diese Erfahrungen hinterließen. Heute bewahrt die Familie im Koffer Fotos, Briefe, Dokumente und Erinnerungsstücke auf und hält damit die Familiengeschichte lebendig.
In Russland war Dr. Olga Martens unter anderem als Lehrerin und Mitherausgeberin der Moskaudeutschen Zeitung tätig. Zudem engagierte sie sich intensiv für die Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen. Seit 2022 lebt sie in Deutschland und setzt dieses Engagement im BdV-Kreisverband Hanau/Main-Kinzig fort. Zusätzlich gründete sie eine Begegnungsstätte für Spätaussiedler in Gelnhausen. Heute ist sie stellvertretende Vorsitzende sowie Presse- und Öffentlichkeitsbeauftragte des BdV-Landesverbandes Hessen. Darüber hinaus ist sie Herausgeberin der Zeitschrift „Neue Semljaki – Neue Landsleute“.
Die Beiträge der Filmreihe „MITGENOMMEN – Objekte erzählen Geschichte(n)“ zeigen eindrucksvoll, dass gelebte Erinnerungskultur, kulturelle Vielfalt und persönliche Geschichten Brücken über Grenzen hinweg schlagen und zu einem vereinten und verständigten Europa beitragen können. Das Projekt entsteht in Kooperation mit Marc Stengel und wird durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert.


